Verkehrte Welt: Je größer die Probleme umso weniger sachorientiert die Antworten? Was muss eigentlich passieren, dass wir Strategien für die Zukunft konsequent verfolgen, statt uns konsequent inkonsequent zu verhalten? Oder uns mit Scheindebatten zu beschäftigen – wie bei Migration oder Technologieoffenheit.

Scheindebatte Migrationsdruck

Bei der Migration haben wir im Juni 2026 erstmals Wanderungsverluste aus Deutschland, was den Fachkräftemangel nicht lindern dürfte. Mehr Willkommenskultur statt Ausweisung von Fachkräften wäre da hilfreich. Wir steuern zudem 2026 mit voraussichtlich unter 85.000 gestellten Asyl-Anträgen auf historische Tiefstände zu. Sprich, das Thema stellt sich so derzeit nicht. Der wirksamste Schutz ist es, sich für weniger Kriege einzusetzen. Weniger Migration erreicht man übrigens auch dadurch, dass sich die Täter und nicht die Opfer verantworten müssen. Ortskräften die Zukunft zu nehmen, die aus Afghanistan vor den Taliban fliehen mussten, weil sie unsere Werte teilen, und parallel dazu die Taliban in Brüssel zu empfangen, erinnert eher an das Gegenteil.

Scheindebatte Technologieoffenheit

Technologieoffenheit entsteht nicht durch die Nutzung des Begriffs für das Festhalten an überholten Technologien, sondern indem man für Technologien offen ist. Während bei uns Werk um Werk schließt, baute Tesla in Grünheide ein Werk und chinesische Hersteller eines in Ungarn. Letztere übernehmen auch ein spanisches Werk und sind für VW-Werke im Gespräch. BYD hat alleine von 2024 auf 2025 135.000 Fahrzeuge mehr nach Europa verkauft und legt 2026 noch mehr zu. Warum? Wohl nicht, weil sie nicht technologieoffen genug waren. Sie nutzen Schwächen unserer Hersteller. Sich auf Verbrenner und hochpreisige Autos zu fokussieren führt offenbar zu Werksschließungen. Welche Strategie für uns soll es sein, im Ergebnis den Sektor mit Vollgas an die Chinesen zu übergeben? Was tut die EU? Das überhaupt Werke aus Fernost in Europa geplant sind, liegt auch daran, dass die EU seit 10/24 Ausgleichszölle auf importierte chinesische Elektroautos erhebt. Und daran, dass Chinesen sich diesen neuen Bedingungen gestellt und in ihren Wachstumskurs integriert haben.

Zukunft gestalten statt verheizen

Technologieoffen ist es auch nicht bei explodierenden fossilen Energiepreisen unbedingt mehr Gaskraftwerke bauen zu wollen. Das verheizt unsere Zukunft, es sichert sie nicht. Wind- und Sonnen-Energien sind günstiger, CO2 arm und machen unabhängiger. Das Vorgehen steht nicht nur diametral dem Klimaschutz sondern auch sämtlichen Wirtschaftsinteressen entgegen – mit einer Ausnahme. Eine Zukunft für das ganze Land muss aber über Einzelinteressen hinaus gehen.

Demokratie durch echte Lösungen sichern

Wenn wir die Demokratie in Europa sichern wollen, reicht es nicht an Symptomen mit Placebos herumzudoktern, am Thema populistisch vorbeizureden oder gar das Gegenteil von dem zu fordern, was wir zuvor wollten. Wir müssen Ursachen erkennen, Lösungen finden und umsetzen. Es braucht Klarheit und einen stringenten Kurs über den Tag hinaus. Und Resilienz. Wir müssen Menschen stärken, Mut machen durch Chancen, Perspektiven und Anreize – und nicht als zu faul, zu krank oder zu dumm abstempeln. Für mehr Resilienz führt kein Weg an einem geeinten Europa vorbei. Da ist es gut, dass nun Deutschland und 10 EU-Staaten ein Ende des Einstimmigkeitsprinzips fordern. Ebenso ist es für eine lebenswerte Gesellschaft gut, das Miteinander und nicht das Gegeneinander zu fördern und zu pflegen. So wie dies die Aktiven der Europa-Union seit 1948 machen und wozu wir herzlich einladen, daran mitzuwirken. Für Lösungen, die die Zukunft Europas sichern.