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Die Reformation – ein europäisches Ereignis

Die Reformation – ein europäisches Ereignis

2018-06-02T00:40:31+00:00 8. November, 2015|
  • Die Zuhörer beim Vortrag "Die Reformation - ein europäisches Ereignis"

Die Europa-Union Hammelburg hat bereits im Hinblick auf das Lutherjahr 2017 zu einem Vortragsabend eingeladen. Dem Referenten, Robert Augustin, Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Hammelburg, war ein Thema gestellt, das er mit Bravour meisterte: „Die Reformation – ein europäisches Ereignis“.

Es gibt kaum einen Deutschen der nicht in groben Zügen die Geschichte der Reformation wiedergeben kann. Luther ist eine nationale Größe.
Wie kam der Geist der Reformation aus dem mitteldeutschen Raum nach Europa, welche Veränderungen wurden ausgelöst und schließlich wie gelangte das neue Bekenntnis über Europa hinaus in alle Kontinente ? Am Ende war die Reformation global.
Binnen weniger Monate waren Luthers Schriften in allen europäischen Universitäten angekommen und lösten einen lebhaften Diskurs vor dem Hintergrund der autoritären Papstkirche aus. Auch alle Territorialherren horchten auf. War doch Papsttum und Reichspolitik, aufs Engste verflochten. Exkommunikation war eine ernste Sache. Wir weit konnte ein Territorialherr gehen. Kaiser und Papst steckten vom Grundsatz her immer unter einer Decke.
Das kirchliche Geschäftsmodell „Ablasshandel“ war für Luther skandalös. Luthers startete zunächst einen akademischer Angriff auf diese Praxis. Der Thesenanschlag an der Schlosskirche in Wittenberg erfolgte
in lateinischer Sprache. Die Theologen an der Universität in Wittenberg wollte Luther herausfordern.

Das war der eigentliche Funke der die Reformation zum Flächenfeuer entfachte. Das Papsttum war längst in Misskredit geraten. Drei Päpste regierten im 14. Jahrhundert zeitgleich.
Luthers theologischen Schriften und die Entwicklung der evangelischen Lehre und Kirchenordnung an der Universität zu Wittenberg, brachte in kurzer Zeit den neuen Typus des geschulten reformierten Pfarrers hervor.
Der Bedarf an Theologen die das neue Bekenntnis vermitteln konnten war groß. Luthers Vorstellung vom Christsein stieß auf offene Ohren. Die Menschen erkannten, dass Luther und seinen Mitstreitern, einen neuen Weg aufgezeigten, das Heil gemäß dem Evangelium zu finden.
Deutschland, aber auch Europa war im Grunde auf diese neue Lehre vorbereitet. In allen Ländern gab es vorreformatorische Strömungen. Es schien, als wenn diese auf das Fanal das aus Wittenberg kam gewartet hätten. Es waren die Universitäten, in denen der Geist des Humanismus eingezogen war, die sofort theologischen Beistand der jungen Bewegung gaben. Die Landesherren und Territorialherren strebten nach Lockerung der Bindung an das Reich und an die Papstkirche. Sie übernahmen die Leitung der sich zaghaft andeutenden evangelischen Landeskirchen. Wichtige Faktoren für den Erfolg, war die Unterstützung durch den Landesherrn.
Auch die Reichsstädte öffneten sich der neuen Lehre, die eine persönliche Beziehung zu Gott in den Mittelpunkt stellte. Das eigenständige Bibelstudium gehörte zur Wahrheitssuche. Ein neuer, eigenverantwortlicher Menschentypus entstand. Besonders ausgeprägt in der Schweiz. Der Reformator Calvin nahm die Menschen in eine harte Kirchenzucht. Er gin in seiner Strenge über Luther hinausging.

Referent Robert Augustin

Referent Robert Augustin

Die Einführung der neuen Lehre zeigte Robert Augustin exemplarisch an der Stadt Hammelburg. Der Magistrat der Stadt Hammelburg bat um Entsendung eines Theologen, geschult an Luthers Katechismus und vertraut mit der neuen Lehre. Die Stadt wollte diesen Pfarrer auf eigene Kosten besolden. Am Fürstabt von Fulda und dem Bischof von Würzburg vorbei.
Der König von Dänemark trennte sich und damit sein Volk, als erster Herrscher außerhalb des Deutschen Reiches, von der römisch-katholischen Kirche Ein neues Bekenntnis und eine neue Kirchenordnung wurden angenommen. Es folgten die Niederlande, Frankreich, die nordischen Staaten. England ging einen Sonderweg. Heinrich VIII. schuf sich seine eigene Kirche und Vollzog die Trennung von Rom.
Auswanderer, Gelehrte, Kaufleute, Pilger, alle die das mobilste Element in der damaligen Gesellschaft waren, sie sorgten für die Verbreitung des neuen Bekenntnisses. Dass die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern eine ungeheure Buchproduktion mit Luthers Schriften möglich machte, ist eine Erklärung für Luthers Erfolg. Luthers und der Reformatoren Schriften waren Bestseller.
Kurz ging Robert Augustin auf die Gegenreformation ein. Eine erneuerte katholische Kirche hatte hundertfünfzig Jahre später die Kraft, verlorenes Terrain zurückzugewinnen. Nach dem unseligen Glaubenskrieg der Deutschland verheerte und zurückwarf, der Dreissigjähriger Krieg, fanden die Kriegsparteien einen Kompromiss. Über die Köpfe ihrer Untertanen hinweg entschied der Landesherr oder eine freie Stadt über die Konfession seiner Bewohner und Bürger. Ein erster Schritt auf dem Weg zur späteren Trennung von Staat und Kirche. Verfassungsgeschichtlich von eminenter Bedeutung. Robert Augustin wies nach, wie die herausgehobene Stellung der Territorialherrn die konfessionelle Einheit oft genug erzwang und damit zur Bildung der europäischen Nationalstaaten führte.
Dieter Galm der diesen Abend vorbereitete, dankte Robert Augustin für einen historischen Vortrag, der jedem Professor für Geschichte alle Ehre gemacht hätte. Auch die Zuhörer dankten Robert Augustin mit Beifall für seinen spannenden Vortrag.

Dieter Galm