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Das deutsche Engagement im Nordirak

Das deutsche Engagement im Nordirak

2018-06-02T00:38:48+00:00 3. Oktober, 2017|

Über dieses Thema referierte Oberst iG Georg Oel beim Arbeitskreis Politik und Gesellschaft (APG) im überfüllten Europa Haus in Hammelburg. Deutschland unterstützt im Irak die regionalen Kräfte die dem „IS“ militärisch Einhalt gebieten. Georg Oel war bis Mitte Juni diesen Jahres Kommandeur des deutschen Einsatzkontingents und Kommandeur des multinationalen Kurdistan Training Coordination Centre in Erbil. Er konnte deshalb kompetent über seine Erfahrungen aus der Konfliktregion berichten.

Zahlreiche internationale Akteure sind in der Region aktiv und in den Einsatz eingebettet, unter anderem die USA, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Italien, das UNHC, das Internationale Komitee des Roten Kreuzes. Der Referent erläuterte die Führungsstrukturen im Rahmen des Einsatzkontingents und die Anforderungen an die Soldaten. Neben Fachkompetenz, Aufmerksamkeitspotenziale und Robustheit sind Flexibilität, Sprachkenntnisse und vor allem soziale Integrationsfähigkeit erforderlich. Bei den beteiligten Konfliktparteien, Irak, Syrien, die FSA, die al-Nusra Front und darüber hinaus mehr als 200 verschiedene Rebellengruppen, bestehen unterschiedliche Interessenslagen. Die Zielsetzungen der internationalen Akteure sind sehr verschieden und widersprechen sich oft. Die sunnitische Allianz will den Einfluss des IRAN eindämmen, Iran dagegen will den Irak unter Kontrolle bringen und eine Brücke zur Hisbollah und zum Libanon bauen. Die Türkei will einen kurdischen Nationalstaat verhindern, die kurdischen Kräfte ihrerseits ein eigenes Staatsgebilde schaffen. Russland will seinen politischen Einfluss in Nahost geltend machen. Die USA wollen zumindest im IRAK nicht in die Defensive geraten. Diese Gemengelage erschwert die Einsatzbedingungen und verhindert einen Erfolg der moderaten Gruppen.

Oel erläuterte die Organisationsstruktur des IS und zeigte Bilder von dem Orts- und Häuserkampf um Mossul. Mehrere Gruppen waren bei dem Angriff beteiligt: die irakische Armee, schiitische Milizen, die kurdische Peschmerga, US-Spezialeinheiten und arabische Kampfgruppen. Auf Grund von Untertunnelungen, Sprengfallen und der assymetrischen Kriegsführung des IS war es ein mörderischer Kampf mit zahlreichen Verlusten. 1,2 Millionen Flüchtlinge gibt es in der autonomen Provinz Kurdistan. Das UNHCR und die provisorische Regierung sind damit überfordert.

Was geschieht nach der Besiegung des Islamischen Staates? Der Dschihad wird weiter Terror verbreiten, wird das Gewicht noch stärker auf die asymmetrische Kriegsführung legen. Die geflohenen Kämpfer werden religiösen Fanatismus in die Fluchtländer exportieren. Der IRAK selbst ist bereits jetzt ein „failed state“. Möglicherweise zerfällt er in drei Teile. Die schiitischen Milizen sind als Verbündete des IRAN bereits jetzt auf dem Vormarsch.
Die Zuhörer waren Georg Oel für seine Ausführungen dankbar. Er erläuterte die schwierigen politisch-militärischen Zusammenhänge in dieser Region, die ohne eine vorausgegangene gründliche Analyse der Kriegsparteien und deren Ziele kaum zu verstehen sind.

Dr. Reinhard Schaupp und Dieter Galm