Netzwerk der Europa-Union Bayern e.V.

Afrika – ein Kontinent in Bewegung. Migration aus Afrika in die Europäische Union

Afrika – ein Kontinent in Bewegung. Migration aus Afrika in die Europäische Union

2018-10-21T17:50:13+00:00 21. Oktober, 2018|Categories: Allgemein|

Die Europa-Union Hammelburg hatte Mitglieder und interessierte Bürger zu einem PolitTalk mit Dr. Reinhard Schaupp eingeladen. Das Thema „Afrika – ein Kontinent in Bewegung. Migration aus Afrika in die Europäische Union“ stieß auf ein starkes Echo. Der Clubkeller im Europahaus war überfüllt.

Europa blickt auf Afrika. Zwei ungleiche Kontinente. Was wir Europäer gegenwärtig wahrnehmen, sind wachsende Flüchtlingsströme aus einem an Rohstoffen enorm reichen Land. Warum sind die meisten der vierundfünfzig afrikanischen Staaten aus unserer Sicht rückständig mit hoher Arbeitslosenquote und können sich am Weltmarkt mit eigenen Produkten nicht behaupten? Warum machen sich Hunderttausende Afrikaner die südlich der Sahelzone leben, auf den Weg nach Europa?
Die Teilnehmer suchten mit Dr. Schaupp zusammen nach der Antwort.

Es sind die großen international agierenden Konzerne die weitgehend die Wirtschaft Afrikas beherrschen. Europäische Länder greifen ebenfalls in innerafrikanische Verhältnisse ein. Militärische Präsenz und mit Waffen. Der Katalog der afrikanischen Defizite ist lang.
Für China ist Afrika ein gigantisches Zukunftsprojekt, in das die Chinesen Milliarden investieren, ohne jedoch Verantwortung für Menschen und Land zu zeigen. Es ist bitter, Korruption ist in Afrika in der Mentalität der Menschen verankert. Es ist Normalität. Auf fragwürdige Weise ist Korruption auch ein Motor für Entwicklung.
Ohne ausreichende Infrastruktur, ohne entwickelte leistungsfähige Industriezweige. Fehlende auf politischen und wirtschaftlichen Erfolg setzende Vernetzung der Staaten untereinander. Defizite in der Bildung und Ausbildung seiner Menschen. Die Liste des Versagens und der Rückständigkeit ist lang.
Es mag zwischen den Staaten graduelle Unterschiede geben. Dennoch zusammenfassend, der Schwarze Kontinent ist bedrohlich vom Fortschritt aus eigenem Vermögen abgeschnitten.
Hunger und fehlende medizinische Versorgung führen zu unendlich viel Leid. Hilfsorganisationen lindern Not. Den Staaten selbst fehlen die Mittel um Sozialsysteme aufzubauen.
Afrika hat die weltweit am schnellsten wachsende Bevölkerung. Von geschätzt 1,3 Milliarden die auf diesem Kontinent leben sind vierzig Prozent unter fünfzehn Jahre alt. Die Bevölkerungsexplosion ist nicht aufzuhalten.
Die Ursache für die wachsenden Flüchtlingsströme nach Europa sind die fehlenden Chancen einer Generation, ein sinnvolles, erfülltes Leben führen zu können. Auch sie wollen am Wohlstand der westlichen Welt Anteil haben. Das internet bringt ihnen die andere Welt auf ihre Displays.
Dr. Schaupp ging in seinem Vortrag in die Geschichte zurück. Schilderte die Eroberung zunächst der Küstenstreifen Afrikas zu Beginn des 15. Jahrhunderts durch europäische Seefahrernationen. Kolonien wurden gegründet. Der Sklavenhandel blühte. Die alten Stammeskulturen Afrikas gingen zugrunde. Bis 1914 waren alle afrikanischen Länder unterworfen, bis auf Äthiopien und Liberia. So Dr. Schaupp.
Dr. Schaupp ließ anklingen, dass nicht alles Unglück Afrikas den früheren Kolonialmächten angelastet werden darf. Afrikaner unter sich, sind auch ohne Europäer zerstritten. Mörderische Bürgerkriege ohne Ende verhindern Aufbau und Fortschritt. Elend ist in solchen Ländern das Normale.
Finanz- und Entwicklungshilfe. Wo sind die Milliarden geblieben, die von der Weltbank und Europa in den Schwarzen Erdteil flossen? Vertrauen ohne Kontrolle? Gelder und Hilfen auf Hoffnung verteilt.
Erhellend war ein Gastbeitrag von Johann Vaelen. Textilingenieur, erfolgreicher Unternehmen, stellte sich vor Jahren als Seniorberater für Afrika zur Verfügung. Er schilderte seinen ehrenamtlichen Einsatz in einem Textilbetrieb mit 800 Mitarbeitern. Mit vielen Fotos belegte er anschaulich die dortigen Arbeits- und Wohnverhältnisse.
Die letzte Stunde an diesem Abend gehörte der Aussprache. Sind die Probleme Afrikas überhaupt lösbar? Wenn nein, was nutzt dann unser Engagement ? Die Gegenstimmen waren in der Überzahl. Afrika muss geholfen werden. Zum „Wie“ wurden verheißungsvolle Vorschläge formuliert.
Die Benachteiligung Afrikas am Welthandel muss enden. Firmen die in Afrika investieren, müssen Ausbildungsprogramme auflegen und Verantwortung für ihre Mitarbeiter zeigen und neue betriebliche Standards durchsetzen. Die Herzen der Afrikaner sind durch kluge Politik zu gewinnen.
Europa ist in einem echten Dilemma. In der aggressiven Zuwanderung Schwarzafrikaner über das Mittelmeer, steht die Menschlichkeit der meisten Europäer gegenüber. Wieviel Opfer wollen wir für Afrika bringen? Die Furcht der Europäer vor Überfremdung ist real. Auf Aufnahmequoten für Migranten können sich Europäer nicht einigen. Ein aktuelles Streitthema in Brüssel.
Es sind die Hilfen der kirchlichen und privaten europäischen Organisationen die in Afrika selbst, Zeichen für die Zukunft setzen. Ohne nach dem großen Erfolg zu fragen. Die kleinen Schritte helfen Afrika, wenn die große Lösung nicht erreichbar ist.
Wieviel Einwanderungsdruck wird der Klimawandel mit einhergehenden Hungerkatastrophen in Afrika auf Europa ausüben ? Eine Frage die heute als Menetekel an der Wand steht und auf die wir keine Antwort haben. Afrika und Europa sind verklammert. Afrika ist unser Schicksalskontinent.
Dr. Reinhard Schaupp und Johann Vahssen bekamen für ihre Beiträge viel Zustimmung. Moderator an diesem Abend war Dieter Galm.