{"id":542,"date":"2018-11-10T13:00:25","date_gmt":"2018-11-10T12:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/eu-bayern.de\/kvhammelburg\/?p=542"},"modified":"2018-11-10T14:28:02","modified_gmt":"2018-11-10T13:28:02","slug":"erinnerung-an-jakob-kaiser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eu-bayern.de\/kvhammelburg\/erinnerung-an-jakob-kaiser\/","title":{"rendered":"Erinnerung an Jakob Kaiser"},"content":{"rendered":"<p class=\"tinymce_own02\">Ein Vortragsabend zum 130. Geburtstag von Jakob Kaiser (geboren 8. Februar 1888 in Hammelburg ; gestorben 7. Mai 1961 in West-Berlin), den der Kreisverband der Europa-Union (EU) initiierte, entpuppte sich als hochinteressante Biografie \u00fcber einen bedeutenden Hammelburger, der ein St\u00fcck deutscher Politikgeschichte schrieb. Was unter Kanzler Helmut Kohl gelang &#8211; die Wiedervereinigung Deutschlands &#8211; war schon Jahrzehnte zuvor Jakob Kaisers Bestreben.<\/p>\n<p><em>Familie aus Feuerthal<\/em><br \/>\nAls Referenten begr\u00fc\u00dfte EU-Ehrenvorsitzender Edgar Hirt Kaisers Schwiegersohn, Dr. Winfried Benner, der die Familienhistorie aufleben lie\u00df sowie Dr. Reinhard Schaupp, der in seinem Referat &#8222;Wir wollen eine Br\u00fccke sein&#8220; das politische Wirken, die Erfolge und das politische Scheitern des gro\u00dfen Saalest\u00e4dters beleuchtete. Gut 50 Zuh\u00f6rer erlebten in der Vinothek Ruppert eine eindrucksvolle Schilderung \u00fcber das Leben eines Mannes, der in der Nachkriegszeit beinahe Bundeskanzler geworden w\u00e4re. Benner erwies sich als hervorragender Kenner des &#8222;Hammelburger Kaiserreichs&#8220;. Es d\u00fcrfte wohl nur wenigen bekannt sein, dass die Familie aus Feuerthal stammt, heute Stadtteil Hammelburgs. Der 1854 geborene Johann Kaiser ist der Vater von zehn Kindern, zu denen Jakob als Zweitgeborener geh\u00f6rte.<\/p>\n<p><em>Verzweigtes Familiennetz<\/em><br \/>\nJohann, der mangels Arbeit aus der Heimat nach Amerika auswandern wollte, und dessen Koffer bereits in Hamburg standen, hinderte die Mutter am Vorhaben. Der Besitzer einer Hammelburger Buchbinderei gab ihm eine Anstellung, und der Feuerthaler schaffte es bis zum Meister. Er \u00fcbernahm den kleinen Betrieb, heiratete Elisabeth Zwecker und begr\u00fcndete die &#8222;Kaiser-Dynastie&#8220;. Benner wartet anschlie\u00dfend mit Daten der Geschwister Elisabeths auf, die er alle pers\u00f6nlich kennt.<br \/>\nIm weit verzweigten Familiennetz finden sich die verschiedensten Berufe, wobei auch die Politik im &#8222;Kaiser-Clan&#8220; auf fruchtbaren Boden fiel. Man denke an Anna Kaiser, die den Zentrumsparteipolitiker Dr. Wilhelm Mayer unterst\u00fctzte, oder den &#8222;Schwarzen Landrat im Roten Schloss&#8220;, B\u00fcrgermeister und Landrat Adam Kaiser. Reinhard Schaupp widmete sich speziell der politischen \u00c4ra von Jakob Kaiser , der &#8211; im Widerstand t\u00e4tig &#8211; vom NS-Regime verfolgt wurde. Russische Soldaten befreiten ihn im April 1945 aus seiner Kellerzuflucht in Babelsberg, worauf Kaiser schnell wieder eine politische T\u00e4tigkeit aufnahm. Sein Ziel war die Gr\u00fcndung einer \u00fcberparteilichen Einheits-Gewerkschaft und einer \u00fcberkonfessionellen, christlichen Partei. Er hatte 1936 in der Widerstandsbewegung schon Kontakt zu Konrad Adenauer aufgenommen und versucht, ihn f\u00fcr die Sache zu gewinnen. Der sp\u00e4tere Bundeskanzler wies ihn jedoch ab. Er hielt nichts von einer T\u00e4tigkeit im Osten, sondern wollte die westliche Politik begr\u00fcnden.<br \/>\nGanz anders Kaiser, f\u00fcr den &#8222;das b\u00fcrgerliche Zeitalter zu Ende ist&#8220;. Inzwischen im Vorstand der CDU-Deutschland (CDUD), bekannte er sich &#8222;zur sozialistischen Ordnung demokratischer Pr\u00e4gung und christlicher Verantwortung&#8220;. Er wollte die Zoneneinteilung \u00fcberwinden und ein &#8222;starkes Gesamtdeutschland&#8220; mit begrenztem F\u00f6deralismus der L\u00e4nder und der Hauptstadt &#8222;Gro\u00df-Berlin&#8220;. Adenauer lehnte das &#8222;heidnische Berlin&#8220; ab und wollte ein &#8222;starkes, westliches System als Abwehr gegen den Bolschewismus &#8222;. Darauf Kaisers Antwort: &#8222;Wir haben eine Br\u00fccke zu sein zwischen Ost und West, aber wollen unseren eigenen Weg gehen.&#8220;<br \/>\nIm M\u00e4rz 1947 versuchte der Hammelburger eine &#8222;Nationale Pr\u00e4sentation deutscher Parteienvertreter&#8220; zu installieren. Adenauer sagte wegen &#8222;einer Grippe&#8220; ab. Mit Kurt Schumacher , der auch aus dem Widerstand kam und zehn Jahre im KZ sa\u00df, war Kaiser mit seinen Vorstellungen zwar auf Augenh\u00f6he, doch die Pers\u00f6nlichkeiten fanden nie zueinander.<br \/>\nAus Platzgr\u00fcnden muss hier ein Zeitsprung in die Mitte der 50er Jahre helfen. Ein wirklicher Verdienst Kaisers, inzwischen Minister f\u00fcr innerdeutsche Fragen im Kabinett Adenauer, war die &#8222;kleine Wiedervereinigung &#8222;, der Anschluss des Saarlands an die Bundesrepublik. Im Gegensatz zu Adenauer unterst\u00fctzte Kaiser sowohl finanziell wie politisch die Parteien, die das sogenannte Saarstatut ablehnten. Im Oktober 1955 stimmten 67 Prozent f\u00fcr die R\u00fcckkehr des Saarlands in die BRD, das 1957 zehntes Bundesland wurde.<br \/>\nKaisers urspr\u00fcngliches Konzept des Br\u00fcckengedankens in der Synthese von Sozialismus, Christentum und Freiheit verschwand &#8222;am Horizont der Illusionen&#8220;, wie es Schumacher formulierte.<br \/>\nDennoch blieb der Vision\u00e4r eine emotionale und politisch herausragende Pers\u00f6nlichkeit der deutschen Nachkriegsgeschichte, die den Bau der Berliner Mauer nicht mehr erleben musste und die Wiedervereinigung nicht mehr erleben konnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Vortragsabend zum 130. 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