{"id":1362,"date":"2021-10-08T14:33:08","date_gmt":"2021-10-08T12:33:08","guid":{"rendered":"https:\/\/eu-hammelburg.de\/?p=1362"},"modified":"2021-10-12T18:47:56","modified_gmt":"2021-10-12T16:47:56","slug":"corona-pest-und-cholera","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eu-bayern.de\/kvhammelburg\/corona-pest-und-cholera\/","title":{"rendered":"Corona, Pest und Cholera"},"content":{"rendered":"<p class=\"tinymce_own02\">Der Mediziner Reinhard Schaupp und der Jurist Herbert Trimbach referierten \u00fcber das Thema Pandemien und Globalisierung. Mit \u00fcber 50 TeilnehmerInnen war die Kooperationsveranstaltung von Europa Union und VHs in der Aula der Grund-und Mittelschule am M\u00f6nchsturm Hammelburg ausgebucht.<\/p>\n<p>Schaupp gab einen \u00dcberblick der Seuchengeschichte von den Anf\u00e4ngen der Menschheitsgeschichte bis in die Neuzeit. In der Jungsteinzeit kam es durch eine Pestepidemie zu einer Entv\u00f6lkerung Europas. Die ans\u00e4ssige b\u00e4uerliche Kultur wurde durch die Jamnaja Halbnomaden aus der eurasischen Steppe verdr\u00e4ngt. In der Antike kam es im 2. Jahrhundert zu einer Pockenpandemie mit mehr als 5 Millionen Opfern, eingeschleppt aus dem Zweistromland von r\u00f6mischen Legion\u00e4ren.\u00a0 Die so genannte Justinianische Pest im 6. Jahrhundert hatte ihren Ursprung im Nildelta, erreichte durch Handelsschiffe Byzanz und verbreitete sich von dort in ganz Europa und in Pal\u00e4stina. Auch der schwarze Tod im Mittelalter wurde durch genuesische Handelsschiffe vom Schwarzen Meer nach Europa gebracht und forderte circa 25 Millionen Menschenleben, ein Drittel der damaligen europ\u00e4ischen Bev\u00f6lkerung. In der Folgezeit kam es immer wieder zu Pestausbr\u00fcchen in der Welt.<\/p>\n<p>Die Cholera war seit dem Altertum im Gangesdelta heimisch und erreichte in mehreren Wellen im 19. Jahrhundert Europa. In Deutschland waren es die Mediziner Robert Koch, der das Bakterium im Trinkwasser nachwies und der M\u00fcnchner Max von Pettenkoffer, die durch Trinkwasserhygiene zum Ausrotten der Krankheit wesentlich beitrugen.<\/p>\n<p>Die Pocken bezeichnete Schaupp als \u201edas besiegte Virus\u201c. Durch die Entdeckung der Pockenimpfung im Jahr 1796 durch Edward Jenner, die schrittweise Einf\u00fchrung einer Impfpflicht und eine weltweite Impfkampagne konnten die Pocken 1979 f\u00fcr ausgerottet erkl\u00e4rt werden.<\/p>\n<p>Das Grippevirus existiert zwar seit etwa 3200 Jahren, bekannt sind aber verschiedene Grippepandemien seit Ende des 19. Jahrhunderts. An der aktuellen Covid19- Pandemie starben bisher weltweit 4,8 Millionen Menschen.<\/p>\n<p>Mehr als 60 % der menschlichen Infektionskrankheiten werden durch Keime verursacht, die vom Tier auf dem Menschen \u00fcberspringen. Pandemien entstehen laut Schaupp dann, wenn die \u00fcbertragenen Keime von Mensch zu Mensch weiter gereicht werden. Kriegsereignisse waren oft Wegbereiter von Epidemien. Auch Handelsschiffe und Landkarawannen waren ideale Transportmedien f\u00fcr die die Krankheiten ausl\u00f6senden Bakterien und Viren.<\/p>\n<p>Die \u201eDNA der Weltrisikogesellschaft\u201c ist gekennzeichnet durch die Globalisierung mit ihren Wertsch\u00f6pfungsketten. \u201eZeitgenossenschaft ist heute gleichzeitig Raumgenossenschaft\u201c, so der Referent. Weitere Kennzeichen unserer Risikogesellschaft sind laut Schaupp der Wettbewerb von Mensch und Tier um Lebensr\u00e4ume, die Klimaver\u00e4nderung und die Zerst\u00f6rung der W\u00e4lder. Nach Sch\u00e4tzungen von Virologen gibt es noch mehr als eine Million bekannte Viren auf der Welt, von denen sicher sehr viele das Potenzial haben beim Menschen Krankheiten auszul\u00f6sen.<\/p>\n<p>Zum Schluss erl\u00e4uterte Schaupp wie Pandemien geo- und gesellschaftspolitische Ver\u00e4nderungen induzierten. Beispiele sind die Zerst\u00f6rung des Mongolenreiches im 14. Jahrhundert durch eine Pestepidemie oder die Dezimierung der indigenen Bev\u00f6lkerung der Amerikas durch von den Eroberern eigeschleppte Keime.<\/p>\n<p>Herbert Trimbach befasste sich in seinem Referat mit den verfassungsrechtlichen Grundlagen der Regelungen der Corona Pandemie<\/p>\n<p>Der fr\u00fchere Hammelburger SPD Stadt- und Kreisrat erkl\u00e4rte, dass letztlich alle Regeln, ob einzelne Verwaltungsakte oder Bu\u00dfgelder, Rechtsverordnungen auf denen Versammlungsverbote oder Ausgehverbote oder auch das Infektionsschutzgesetz beruhten, mit dem \u00fcberragenden verfassungsrechtlichen Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit \u00fcbereinstimmen m\u00fcssen. Vor allem Regelungen zu Beginn der Pandemie hatten sicherlich einige Defizite, sodass es gerade in Bayern auch Aufhebungen durch den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in M\u00fcnchen gegeben habe, erl\u00e4uterte der Referent. Grunds\u00e4tzlich seien aber die meisten Regeln notwendig und angemessen gewesen, da der Gesundheitsschutz der Bev\u00f6lkerung ein \u00fcberragendes Schutzgut des Grundgesetzes und auch der Bayerischen Verfassung sei. Vermutlich werde dies auch das Bundesverfassungsgericht so sehen, dessen Pr\u00e4sident in Erkl\u00e4rungen zum 70. Geburtstag des Gerichts am 28.September eine Grundsatzentscheidung noch in diesem Jahr angek\u00fcndigt habe.<\/p>\n<p>In der lebhaften Diskussion nach den Vortr\u00e4gen, insbesondere auch zum hochumstrittenen. Impfzwang erkl\u00e4rte Dr. Trimbach, dass ein allgemeiner Impfzwang, trotz unbestreitbarer Vorteile f\u00fcr die\u201c Herdenimmunit\u00e4t\u201c nicht kommen werde, aber eine Verpflichtung f\u00fcr spezielle Berufsgruppen zum ,\u201eSchutz vulnerabler Menschen\u201c von den Gerichten wohl nicht gekippt w\u00fcrde.<\/p>\n<p class=\"tinymce_own04\">Beitrag: Dieter Galm; Foto: JSch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Mediziner Reinhard Schaupp und der Jurist Herbert Trimbach referierten \u00fcber das Thema Pandemien und Globalisierung. 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