{"id":919,"date":"2026-07-02T14:06:36","date_gmt":"2026-07-02T12:06:36","guid":{"rendered":"https:\/\/eu-bayern.de\/kv-rosenheim\/?p=919"},"modified":"2026-07-02T14:13:13","modified_gmt":"2026-07-02T12:13:13","slug":"wirtschaftspolitische-kernfragen-beim-ersten-wirtschaftsdialog-der-eu-rosenheim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eu-bayern.de\/kv-rosenheim\/wirtschaftspolitische-kernfragen-beim-ersten-wirtschaftsdialog-der-eu-rosenheim\/","title":{"rendered":"Wirtschaftspolitische Kernfragen beim ersten Wirtschaftsdialog der EU Rosenheim"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00bbBei vielen herrscht der Eindruck vor, Europa verwaltet sich selbst\u00ab, bringt Ralf Konopka, Vorsitzender des Gewerbeverbands Rosenheim die Sichtweise nicht nur vieler B\u00fcrger, sondern gewiss auch vieler Mittelst\u00e4ndler bei seiner Begr\u00fc\u00dfung direkt auf den Punkt, \u00bbman hat den Eindruck da oben wird was beschlossen, aber unten kommt nichts an \u2013 Europa muss n\u00e4her an den Mittelstand ran.\u00ab Veranstaltungen wie dieser Wirtschaftsdialog zum Thema \u201eWirtschaftliche Resilienz\u201c im Kaminabend-Format seien hierzu hoffentlich ein guter Beitrag \u2013 erg\u00e4nzt Miriam Leunissen, Stellvertretende Vorsitzende des &lt;&lt;Europa Union Kreisverbands Rosenheim&gt;&gt; und Co-Vorsitzende des Mitveranstalters Europ\u00e4ische Akademie Inntal. Es folgt ein kurzer \u00dcberblick der wichtigsten Aspekte der regen Diskussion.<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Markus Ferber, Mitglied des Europ\u00e4ischen Parlaments und Wirtschaftspolitischer Sprecher der EVP-Fraktion im Europ\u00e4ischen Parlament, stellt passend gleich zu Beginn seines Impulsvortrags mit Neuigkeiten zur Europ\u00e4ischen Wirtschaftspolitik eine entscheidende Frage: \u00bbWas ist eigentlich Mittelstand?\u00ab Er berichtet, dass diese Frage \u2013 zumindest aus Sicht des Europ\u00e4ischen Parlaments -seit letzter Woche gekl\u00e4rt sei: \u00bbMittelstand umfasst nun Unternehmen bis zu einer Gr\u00f6\u00dfe von 1000 Mitarbeitern\u00ab. Damit sei f\u00fcr die Zukunft auch gekl\u00e4rt, wer Zugang zu den entsprechenden EU-F\u00f6rdermitteln h\u00e4tten.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-large is-resized\"><img class=\"wp-image-3373\" src=\"https:\/\/europaeische-akademie-inntal.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/2-819x1024.png\" alt=\"\" width=\"420\" height=\"525\" \/><\/figure>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn Europa ein einheitlicher Wirtschaftsraum sei, so kritisiert er doch, \u00bbdass Mitgliedsstaaten immer wieder versuchen sich abzuschotten\u00ab. Das Prinzip der freien Unternehmerschaft und das damit verbundene Recht, seine Dienstleistung in der ganzen EU anbieten zu k\u00f6nnen, wird dadurch immer wieder eingeschr\u00e4nkt, ein \u00c4rgernis vor allem in Grenzregionen wie etwa zwischen Bayern und Tirol. Ferber bef\u00fcrwortet darum unter anderem die digitale A1-Bescheinigung, und beklagt, \u00bbdass das Arbeitsministerium in Berlin hier derzeit noch nicht aktiv wird\u00ab. Etliche der anwesenden Unternehmensvertretern werfen hierzu umgehend weitere Beispiele ein, an denen sie f\u00fcr die st\u00e4rkere Integration des EU-Binnenmarkts und Vereinheitlichung von Regeln noch deutlich Luft nach oben s\u00e4hen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und die Au\u00dfenhandelspolitik? Nachdem nach Ferbers Einsch\u00e4tzung aktuell mit den USA kein regelbasierter Handelt m\u00f6glich ist und das jetzt vereinbarte Zollabkommen zumindest eine Art Schutzraum darstellt, setzt er gro\u00dfe Hoffnungen auch und gerade f\u00fcr den Mittelstand auf bilaterale Abkommen wie das Mercosur Abkommen. \u00bbF\u00fcr uns Deutsche ist das sehr interessant, wir sind in dieser Region heute bereits Handelspartner Nummer 1 \u2013 auch wenn die Landwirte ein wenig Angst davor haben.\u00ab<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn z.B. die Landwirtschaft solchen Abkommen generell kritisch gegen\u00fcbersteht, verweist Ferber auf Funfacts wie die Tatsache, dass sich seit dem Kanadaabkommen der deutsche K\u00e4seexport nach Kanada verf\u00fcnffacht hat. Noch nicht wirklich erschl\u00f6ssen sich ihm dagegen die Ziele des Abkommens mit Indien.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weiteres Interesse \u00e4u\u00dfern die Unternehmer:innen an EU-F\u00f6rdermitteln. Hier verweist Ferber auf die M\u00f6glichkeit \u00fcber den Europ\u00e4ischen Forschungsrat zu gehen: \u00bbEr kann Einzelf\u00f6rderungen an Firmen vergeben\u00ab. Zudem sei es vielleicht sinnvoll, sich einmal gemeinsam eine Beratung zu den F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten spezifisch f\u00fcr Start-ups oder sehr kleine Unternehmen oder Organisationen in die Region zu holen, da die Thematik extrem vielschichtig und vor allem die F\u00f6rderbedingungen sehr unterschiedlich und auch unterschiedlich aufw\u00e4ndig seien.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht allzuviel Hoffnungen auf schnelle L\u00f6sungen macht Ferber den Start-Up Vertretern bzgl. der seit langem geplanten europaweiten Unternehmensgr\u00fcndungsm\u00f6glichkeit \u201eEU Inc.\u201c Mit der EU Inc soll ein Rechtsrahmen geschaffen werden, der in allen EU-L\u00e4ndern gilt. Dieser solle ein eigenes Steuerrecht umfassen. Das sei aber bisher nicht in allen L\u00e4ndern vermittelbar und insbesondere die Sozialpolitiker und Gewerkschaften sowie die Finanzbeh\u00f6rden h\u00e4tten gro\u00dfe Bedenken bzgl. der Unterlaufung von nationalen Standards bzw. Steuerdumping.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was nun die sogenannten \u201eOmnibus-Verfahren\u201c der aktuellen Legislaturperiode der Kommission erbracht haben? Bisher sei es dabei darum gegangen, Widerspr\u00fcche oder sich widersprechende Gesetzesvorgaben innerhalb einer Generaldirektion aufzul\u00f6sen und zu vereinheitlichen. Nach den ersten zehn Omnibus-L\u00f6sungen wolle man nun verst\u00e4rkt diese \u201eSilos\u201c aufbrechen \u2013 also an vertikale Probleme herangehen, die zwei oder mehr Generaldirektionen betreffen. Hier gebe es die M\u00f6glichkeit noch mit zahlreichen \u201ehistorisch aus den unterschiedlichen Bereichen heraus gewachsenen\u201c Mehrfachnachweisen und b\u00fcrokratischen \u00dcberschneidungen aufzur\u00e4umen. Der Input von Expert:innen aus den Unternehmen sei hier auch ausdr\u00fccklich immer willkommen und sehr wichtig.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Diskussion fokussierte dann noch einmal positiv auf den europ\u00e4ischen Markt mit seinen \u00fcber 450 Millionen Verbrauchern als wichtiger \u201eResilienz-Faktor\u201c: \u201eWenn ich als Startup skalieren will oder KMU expandieren m\u00f6chte, dann brauche ich nicht nur den Zugang zu Geld, sondern um gegebenenfalls organisch zu wachsen noch viel mehr den Zugang zu einem freien und gesunden Markt \u2013 und der w\u00e4re im Fall EU durchaus deutlich gr\u00f6\u00dfer als z.B. der US-Markt\u00ab, sind sich alle einig.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem Thema Cyber Security als Resilienz gegen\u00fcber Angriffen von au\u00dfen setze sich der zweite Vortrag des Abends von Ramon M\u00f6rl auseinander. Die provokante Eingangsthese des Br\u00fcssel-erfahrenen IT-Unternehmers lautete: \u00bbCyber Security tr\u00e4gt nichts zur Wertsch\u00f6pfung bei, aber nichts kann mehr ohne Cyber Security auskommen\u00ab. F\u00fcr einen CFO, so W\u00f6hrl, \u00bbeine bl\u00f6de Situation\u00ab. Cyber Security ist f\u00fcr ihn im hohen Ma\u00dfe ein Querschnittsthema. Damit es hier innerhalb Europas zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit \u00fcber die Staatsgrenzen hinaus komme, \u00bbm\u00fcssen wir innerhalb Europas Vertrauensstellen schaffen, denn wir k\u00f6nnen bei diesem Thema nur in der europ\u00e4ischen Community gewinnen \u2013 nicht als Einzelstaaten\u00ab.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full is-resized\"><img class=\"wp-image-3374\" src=\"https:\/\/europaeische-akademie-inntal.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/GruppeReferenten_uVeranstalter_WirschaftsdialogRo.jpg\" alt=\"\" width=\"425\" height=\"281\" \/><\/figure>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beim Thema Innovation und Startups treibt ihn vor allem auch die Frage um, \u00bbwie funktioniert bei uns Incentivierung?\u00ab Um gerade auch die innovativsten K\u00f6pfe in Europa zu halten, \u00bbm\u00fcssten wir entlang der gesamten Handlungskette incentivieren\u00ab. Letztlich geht es aus seiner Sicht darum, positives Handeln auf allen Ebenen in Gang zu setzen. Projekte bei denen das auf europ\u00e4ischer Ebene nicht geklappt hat, seien beispielsweise GaiaX oder das gerade gescheiterte Vorhaben eines gemeinsamen europ\u00e4ischen Kampflugzeugs, Future Combat Air System, kurz FCAS. \u00bbWas wir brauchen, sind deshalb Plattformen, die Menschen und Unternehmen zusammenbringen\u00ab. Er denkt dabei unter anderem an eine Plattform im Bereich Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, \u00bbnach dem Prinzip: ich suche, ich habe.\u00ab Referenzbasiert Vertrauen zwischen den Experten aufzubauen, sei schlie\u00dflich das A&amp;O von erfolgreicher Zusammenarbeit.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Generell, so wirft Miriam Leunissen als Moderatorin gezielt die Frage ein, sei es vielleicht aus EU-Gremiensicht mittelfristig ohnehin zielf\u00fchrender, statt offener F\u00f6rderantragsaufrufe zu bestimmten breiten Themenbereichen die zum ber\u00fchmten Keyword-Bashing bei Antr\u00e4gen f\u00fchren, vermehrt gezielte Aufrufe zu starten, f\u00fcr welche EU-weiten Aufgaben Mitwirkende gesucht w\u00fcrden? Erste solche \u201eBewerbungsaufrufe\u201c von EU-Institutionen seien durchaus unterwegs und durchaus wert, regelm\u00e4\u00dfig gescreent zu werden. Auch das Label \u201eMade in Europe\u201c werde zwar schlechtgeredet \u2013 aber aktuell k\u00f6nnen man in vielen Branchen wieder sehen, erg\u00e4nzt auch die Vorsitzende der Europa Union Rosenheim, Johanna Math\u00e4ser, dass ganz viele Unternehmen z.B. trotz oder wegen der \u201eangeblich so b\u00f6sen DSGVO\u201c in Europa hosten wollen, oder gezielt europ\u00e4ische Komponenten in kritischen Systemen einsetzen. \u201eEin wenig mehr Selbstbewu\u00dftsein w\u00e4re bzgl. &lt;&lt;Made in Europe&gt;&gt; aus Sicht der professionellen Kommunikation ohnehin angebracht\u201c, so Leunissen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Notwendige Abgrenzung m\u00fcsse auch in M\u00f6rls Augen an gewissen Stellen durchaus offen und deutlich stattfinden: Er bezieht das auf das Level Playing Field. \u00bbChinesische Produkte, die auf den EU-Markt kommen, m\u00fcssen gepr\u00fcft werden, sonst bekommen hier ein Player einen Vorteil beim Marktzugang, der sich als sch\u00e4dlich erweisen k\u00f6nnte\u00ab. Die Temu-Diskussion mache das ja inzwischen bis hin zu den Ramschprodukte-Endkundenm\u00e4rkten mehr als deutlich.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Frage, wie Startups erfolgreich in dem Markt eintreten k\u00f6nnen, und welche F\u00f6rderma\u00dfnahmen es dazu vielleicht bedarf, besch\u00e4ftigt sich Maria Keutel, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der bizzmade GmbH. Ihr Eindruck: \u00bbDas System ist tr\u00e4ge\u00ab. Maria Keutel ber\u00e4t seit vielen Jahren Startups in der Gr\u00fcndungsphase. Gerade diese seien f\u00fcr Unterst\u00fctzung deutlich dankbarer, als das bei KMUs h\u00e4ufig der Fall ist. Aber sie brauchen schnelle Hilfe f\u00fcr aktuelle Ideen \u2013 und ja, hier stimmt sie von Herzen zu: funktionierende homogene M\u00e4rkte \u2013 f\u00fcr ihre Produkte und Dienstleistungen sowie auch f\u00fcr ihre Mitarbeitenden. Sie pl\u00e4diert f\u00fcr den umgehenden Einsatz der Europa Inc und f\u00fcr \u2013 gerne auch kleine, aber schnelle und flexible Unterst\u00fctzungspakete.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Text und Bilder:\u00a0<em>Engelbert Hopf<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbBei vielen herrscht der Eindruck vor, Europa verwaltet sich selbst\u00ab, bringt Ralf Konopka, Vorsitzender des Gewerbeverbands Rosenheim die Sichtweise nicht nur vieler B\u00fcrger, sondern gewiss [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":43,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/eu-bayern.de\/kv-rosenheim\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/919"}],"collection":[{"href":"https:\/\/eu-bayern.de\/kv-rosenheim\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/eu-bayern.de\/kv-rosenheim\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eu-bayern.de\/kv-rosenheim\/wp-json\/wp\/v2\/users\/43"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eu-bayern.de\/kv-rosenheim\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=919"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/eu-bayern.de\/kv-rosenheim\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/919\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":923,"href":"https:\/\/eu-bayern.de\/kv-rosenheim\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/919\/revisions\/923"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/eu-bayern.de\/kv-rosenheim\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=919"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/eu-bayern.de\/kv-rosenheim\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=919"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/eu-bayern.de\/kv-rosenheim\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=919"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}