{"id":758,"date":"2022-02-26T21:23:36","date_gmt":"2022-02-26T20:23:36","guid":{"rendered":"https:\/\/eu-bayern.de\/kv-augsburg\/?p=758"},"modified":"2022-02-28T21:24:59","modified_gmt":"2022-02-28T20:24:59","slug":"erklaerung-von-thorsten-frank-am-vorabend-von-putins-angriff-auf-die-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eu-bayern.de\/kv-augsburg\/erklaerung-von-thorsten-frank-am-vorabend-von-putins-angriff-auf-die-ukraine\/","title":{"rendered":"Erkl\u00e4rung von Thorsten Frank am Vorabend von Putins Angriff auf die Ukraine"},"content":{"rendered":"<p>Obwohl eigentlich der 22.02.22 ein historisches Datum zu werden versprach, k\u00f6nnen wir heute froh sein, dass er nicht der Tag der Invasion Russlands in die gesamte Ukraine geworden ist. Mit der Ank\u00fcndigung vom 21.02.22 l\u00e4uft allerdings Russlands Staatschef Putin Gefahr Geschichte zu schreiben. Noch liegt es in seiner Hand, ob ruhmreich in die Geschichte eingehen will oder als der gr\u00f6\u00dfenwahnsinnige Vollpfosten, der nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nun auch noch das Ende der zivilisierten Welt in den ehemaligen Staaten der UdSSR einf\u00fchrte. F\u00fcr uns als Deutsche stellt sich zudem die Frage, wie sich ein ehemaliger Bundeskanzler, der sich im Einsatz f\u00fcr den Frieden und gegen den Irak-Krieg verdient gemacht hat \u2013 nun bei einem ebenso v\u00f6lkerrechtswidrigen Krieg Russlands gegen die Ukraine verhalten w\u00fcrde. Und f\u00fcr uns als Augsburger w\u00e4chst auch die Angst, was mit den Freunden aus der Bukowina geschieht.<\/p>\n<p>Ja es stimmt. Mit dem Zusammenbruch der UdSSR ist Macht und Einfluss Russlands kleiner geworden. Und es stimmt auch, dass sich zahlreiche L\u00e4nder dem Westen zugewandt haben. Es ist auch richtig, dass es unverbindliche Zusagen des Westens gab, die NATO nicht weiter nach Osten auszuweiten. Der entscheidende Punkt dabei ist: Es gab keine Milit\u00e4r\u00fcbungen mit denen Polen, Estland, Litauen und Lettland, Bulgarien und Rum\u00e4nien von der NATO umzingelt wurden oder deren Staatschefs versucht worden sind zu Ermorden. Diese L\u00e4nder haben in freier Entscheidung und demokratischen Wahlen ihren eigenen Weg bestimmt. Und genau darum geht es uns. Das sind Werte, die f\u00fcr uns unverzichtbar sind \u2013 und zu Zeiten Gorbatschows auch eine Bedeutung f\u00fcr Russland hatten.\u00a0 Und die offenbar Putin f\u00fcr verzichtbar oder gar bek\u00e4mpfenswert gelten.<\/p>\n<p>Der Zusammenbruch der UdSSR erfolgte auch nicht, weil der Westen diese unter fadenscheinigen Vorw\u00e4nden besetzte oder Russland seine Daseinsberechtigung absprach. Er geschah, weil die Menschen dort das eigene System nicht mehr ertragen hatten. Unsere Demokratie ist sicher auch nicht perfekt. Es gibt Ungerechtigkeiten allenthalben. Aber jeder darf sich hier f\u00fcr mehr Gerechtigkeit einsetzen. Es war die Unterdr\u00fcckung der Menschen, die das System der UdSSR ins Wanken brachte, weil freie Kr\u00e4fte schlicht mehr bewirken k\u00f6nnen. Warum aber glaubt Russland nun nach dem Zusammenbruch der UdSSR mit weniger Fl\u00e4che, mit weniger Einwohnern und mit weniger Kraft nun einen erneuten Versuch wagen zu m\u00fcssen, um der Welt zu zeigen, wie grandios ein Land scheitern kann, wenn es nur totalit\u00e4r genug gef\u00fchrt wird? Sehr geehrter Herr Putin: Denken Sie doch einfach mal nach, wie das beim letzten Mal endete? Immer mehr Russische B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger werden Not leiden, immer weniger ein lebenswertes Leben haben. Wollen Sie die alle wie Navalny dann einsperren, falls es mit dem Umbringen nicht geklappt hat? Soll das ein Zukunftskonzept sein? F\u00fcr wen? Schauen sie sich Lenins Mumie an. Der hatte eine gro\u00dfe Idee, indem er etwas neues schaffen wollte. Er hat aber dabei nicht Vorbilder in \u00fcberholten Vergangenheiten gesucht, sondern etwas neues gewagt.<\/p>\n<p>Sie hingegen, wollen einen anderen Blick auf ein Russland im Jahr 1917 richten. Eine Zeit, in der die Ukraine aus Ihrer Sicht kein eigenst\u00e4ndiges Land war und die Ukrainer deshalb auch schlicht Russen seien. Weshalb wollen Sie dann ihr eigenes Volk bekriegen? Weshalb wollen Sie unz\u00e4hliges Leid \u00fcber Menschen bringen, die in der Ukraine einen frei gew\u00e4hlten Pr\u00e4sidenten, ein frei gew\u00e4hltes Parlament und in Kiew mit Vladimir Klitschko einen frei gew\u00e4hlten B\u00fcrgermeister haben? Und was sagt diese selektive Geschichtswahrnehmung \u00fcber Sie aus?<\/p>\n<p>Ein Europa in den Grenzen von 1917: Das ist eine Zeit, als S\u00fcdtirol Teil \u00d6sterreich Ungarns war, Elsass Lothringen, Eupen und Malmedy, weite Teile Polens und selbst Teile des heutigen Russlands deutsch waren. Polen w\u00fcrde genauso wenig existieren wie die baltischen Staaten, Lettland, Estland und Litauen sowie Finland. Das osmanische Reich w\u00fcrde noch bis Albanien gehen. Wer dahin zur\u00fcck will, der hat nicht die Zukunft im Blick sondern tr\u00e4umt davon alte Zeiten herzustellen, die Geschichte sind und soweit wir die Menschheit auf dem Planeten nicht ins Verderben f\u00fchren wollen auch Geschichte bleiben sollten.<\/p>\n<p>Und wenn Sie sich schon an Geschichte erinnern, dann ist Ihnen auch bekannt, dass Kiew lange vor Moskau gr\u00f6\u00dfte Bedeutung hatte. Die Ukrainer haben aber nicht gefordert deshalb in Russland einzumarschieren oder deren Pr\u00e4sidenten vergiften zu wollen. Sie m\u00f6chten einfach als souver\u00e4nes Land \u00fcber ihr eigenes Schicksal bestimmen. Und auch wenn es Sie schmerzen mag \u2013 das ist bereits seit mehr als einer Generation so. Wachen Sie auf! Sie sind es, der das Minsker Abkommen nach der einseitigen Annektion der Krim unterschrieben hatte. Und Sie sind es, der seine eigene Unterschrift unter dieses Abkommen setzte. Ist das Ihre Vision f\u00fcr die Zukunft? Das Vertr\u00e4ge egal sind? Dass Russland \u00fcberall dort einmarschieren darf, wo der Staatschef meint, so solle es sein?<\/p>\n<p>Wir Deutschen haben Erfahrungen darin, wie es ist, sich Teile anderer L\u00e4nder einzuverleiben. Bei uns begann das mit Teilen Tschechiens. Wir wissen auch wie es ist, in andere L\u00e4nder einzumarschieren. Wir kennen fadenscheinige Begr\u00fcndungen, mit denen wir den II. Weltkrieg angezettelt haben. Weil wird Deutschen und zu wichtig nahmen und der Welt unseren Stempel aufdr\u00fccken wollten. Wir haben aus dem II. Weltkrieg die Lehre gezogen, dass es nie wieder Krieg in Europa geben solle. Vielleicht denken Sie einfach mal dar\u00fcber nach, wie das ganze f\u00fcr Deutschland endete. Deutschland hat zig Millionen Kriegstote, Vertriebene und unendliches Leid zu verantworten und die ganze Welt ins Unheil gest\u00fcrzt \u2013 darunter auch Millionen Russen, die allesamt sicher ein besseres und l\u00e4ngeres Leben verdient gehabt h\u00e4tten als wegen Gro\u00dfmachtgel\u00fcsten eines durch-geknallten F\u00fchrers zu sterben. Am Ende hatte Deutschland rie\u00dfige Gebietsverluste und der Rest wurde geteilt in zwei Staaten. Es ist Russland zu verdanken, dass es sich in freier Selbstbestimmung wieder zu vereinen. Dazu brauchte es keine Armeen, dazu brauchte es keinen Druck und schon gar keinen Krieg im eigenen Land. Lassen Sie die Russen und die Ukrainer auch ihr Schicksal selbst bestimmen. Ohne Druck und ohne Aggression und schon gar nicht durch einen ins Verderben f\u00fchrende Krieg. Der l\u00f6st nur unvorstellbares Leid aus. Und falls Sie immer noch nicht aufgewacht sind: Hitler f\u00fchrte nicht nur das Land und die Menschen in den Abgrund. Es besiegelte auch seinen eigenen Tod durch sein Regime aus Angst und Schrecken. Machen Sie es anders. Bleiben Sie friedlich.<\/p>\n<p>Seien Sie ein echter F\u00fchrer auf der H\u00f6he der Zeit: Helfen Sie der Menschheit zu \u00fcberleben, nicht dem angeblich eigenen Volk sich selbst umzubringen. Lassen Sie die Ukrainer und die Russen gemeinsam feiern anstatt aufeinander zu feuern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frieden f\u00fcr die Ukraine und ein Ende der Aggression fordert der Augsburger Vorsitzende auf einer kurzfristig organisierten Kundgebung auf dem Augsburger Rathausplatz<\/p>\n","protected":false},"author":27,"featured_media":759,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/eu-bayern.de\/kv-augsburg\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/758"}],"collection":[{"href":"https:\/\/eu-bayern.de\/kv-augsburg\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/eu-bayern.de\/kv-augsburg\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eu-bayern.de\/kv-augsburg\/wp-json\/wp\/v2\/users\/27"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eu-bayern.de\/kv-augsburg\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=758"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/eu-bayern.de\/kv-augsburg\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/758\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":760,"href":"https:\/\/eu-bayern.de\/kv-augsburg\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/758\/revisions\/760"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eu-bayern.de\/kv-augsburg\/wp-json\/wp\/v2\/media\/759"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/eu-bayern.de\/kv-augsburg\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=758"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/eu-bayern.de\/kv-augsburg\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=758"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/eu-bayern.de\/kv-augsburg\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=758"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}